Rezension | The Hate U Give – Angie Thomas ****

 

 

Wenige Tage vor dem Veröffentlichungstag kam ein Paket vom CBT Verlag bei mir an. Völlig aus dem Häuschen bin ich herumgehüpft und habe mit meinem allerersten Print Rezensionsexemplar gekuschelt. Hatte wirklich nicht damit gerechnet ein Hardcover als Blogneuling zu erhalten. Danke an CBT für das Exemplar und das damit verbundene Vertrauen.

 

Titel: The Hate U Give
Reihe:
Übersetzer: Henriette Zeltner
Autor: Angie Thomas
Sprache: Deutsch
Verlag: CBT
Erscheinungsdatum: 24. Juli 2017
Seitenzahl: 512
Format: Hardcover
Preis: € 17,99
ISBN: 3570164829
Genre: Contemporary / Jugendbuch

 

*Klappentext:

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen…

*Persönliche Meinung:

In etwa die ersten drei Kapitel war ich ganz und gar nicht überzeugt von diesem Buch, war sogar versucht es beiseite zu legen, denn irgendwie kam ich nicht so wirklich in diese „fremde“ Welt hinein. Wörter, wie Black Jesus, irritierten mich, denn ich verstand nicht so recht, warum man denn all das ständig betonen musste, wenn es doch im Grunde völlig egal war, welche Hautfarbe das ist. Dennoch beschloss ich dem Buch eine Chance zu geben und weiterzulesen und ich bin unheimlich froh es getan zu haben.

Angie Thomas schreibt so realitätsnah, so als würde man die Gedanken in der selben Sekunde auf das Papier bringen, wie sie durch den Kopf rauschen. Hier geht es nicht darum die schönsten Sätze zu formulieren, sondern das Geschehene zu verarbeiten, die Gefühle nach außen zu transportieren. Je weiter die Geschichte fortschritt, umso tiefer wurde ich in das Leben von Starr und ihrer Familie hineingezogen und habe mit ihr gebangt und gelacht. Am Ende sogar sehr viel gelacht, denn die Figuren sind mir ans Herz gewachsen, wie eine Familie, die ich schon mein Leben lang kannte. Es ist eines der wenigen Bücher in denen Familie noch etwas bedeutet und vor allem die Beziehung zu den Eltern und Geschwistern liebevoll gestaltet ist. Natürlich enthält sie auch ihre Höhen und Tiefen, aber sie spiegelt in mir den Wunsch wieder meine eigenen Kinder auf diese Weise aufwachsen zu sehen.

Starr Carter, die Protagonistin, lebt in zwei Welten, die sich gar nicht so einfach trennen lassen, wie sie sich erhofft hat, und ist hin und her gerissen. Auf der einen Seite ist da ihr Leben in ihrem Viertel, wo sie eine der vielen Schwarzen Mädchen ist und somit in einer breiten Masse mitschwimmt, und dann gibt es da noch die Zeit, die sie an ihrer „weißen“ Schule verbringt. Dies ist einer der Punkte im Buch, die ich so stark nachvollziehen kann, weil ich sie selbst auf eine etwas andere Weise erlebt habe. Natürlich verstärkt sich das in Starrs Fall noch, da sie mit ihrer Hautfarbe an einer nahezu „weißen“ Schule heraussticht und somit schon im Mittelpunkt steht. Aber dennoch muss ich sagen, dass dieser Zwiespalt, der sie beherrscht, super aufgearbeitet und behandelt wurde.

Ich lese selten Bücher, die so lebensnah sind, so nah an der Realität wie dieses, meist um den ganzen Mist da draußen nicht an mich ranzulassen. Aber ich wollte „The Hate U Give“ unbedingt eine Chance geben, mehr über all die Hintergründe, die Problematik erfahren, ohne vielleicht voreilig falsche Schlüsse zu ziehen. Man lernt einiges darin über die #BlackLiveMatters Bewegung, Rassismus und vor allem über das korrupte Justizsystem. Zum einen war vieles davon natürlich nichts Neues, denn anhand der sozialen Medien kann man sich diesem Thema kaum entziehen und doch fühlt man sich weit genug davon entfernt – doch mit dieser Geschichte gewinnt das ganze noch mehr an Bedeutung und zeigt auf, wie alltäglich und real dieses Thema doch ist.

 

„Manchmal machst du alles richtig, und es geht trotzdem alles schief. Entscheidend ist, dass du dennoch nie aufhörst, das Richtige zu tun.“

 

*Fazit:

Von mir gibt es 4**** Sterne und ich kann es wirklich nur jedem empfehlen, egal ob jung oder alt – lest dieses Buch.

Den Hype kann ich zwar nicht ganz so nachvollziehen, aber dieses Thema wird in Amerika bestimmt noch eine Spur stärker wahrgenommen. Auch wenn es vorrangig um Rassismus ging, so war für mich doch die Familie und Freundschaft darin ausschlaggebend. Wichtig finde ich noch, dass es sich ganz klar um ein Jugendbuch handelt und daher auch in einer einfachen Sprache geschrieben ist.

14 Kommentare

  1. Oh I loved this one a lot! I think it was such an important story and really quite perfect for today’s world (which sadly sucks a lot😭especially with American politics) So YEAH. I loved Starr’s family and the dialogue and banter, but also just reading more from the POV of someone facing extreme violence and racism was really excellent and eye-opening. I totally think this is the kind of book everyone should read. *nods* Glad you enjoyed it too!!

    1. oh yes you are so right, I had a hard time getting my thought on paper, coz with not being American made it a bit harder to understand all the things that happened in the book, and then there is also the fact, you dont wont to say anything wrong or rude in any way, even if you dont mean it this way – its quite a hard topic I think – but Im so happy I read it, it really helped me to understood some of all these problems over there

      and damn did you translate my review or do you know german? now Im not sure if you mentioned something about relatives on your blog

  2. Huhu,
    ich wollte mich demnächst mal wieder etwas mehr mit Büchern über „problematischeren Themen“ auseinandersetzen und dieses hier klingt nach einem guten Start. Es wandert definitiv auf meine Wunschliste. Es klingt auch wirklich gut, nachdem was du darüber erzählst und ich bin schon sehr gespannt.
    Danke für die Rezension.

    Liebe Grüße,
    Alex

    1. Es ist auf jeden Fall ein guter Start, einfach weil das Buch nicht wie eine Predigt aufgebaut ist, sondern eine wirkliche Geschichte, eine die es wohl tagtäglich in Amerika geben könnte – und das lässt dich mitfiebern und bangen, aber genauso auch lachen und vieles mehr 🙂

  3. Hej Cornelia,
    bin grad über deine Rezension gestolpert. Mir ist bisher dieses Buch noch nicht begegnet. Das Thema hört sich sehr interessant an. Ich war vor zwei Jahren in Atlanta auf dem Flughafen und war gefühlt die einzige Weiße dort. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt wie seltsam es ist anders zu sein als die Masse. Für mich wandert das Buch mal direkt auf die Wunschliste. Passt ganz gut als Lektüre für den nächsten Urlaub in den USA.
    LG Kerstin

    1. Hi Kerstin,
      das glaube ich dir gerne, selbst hatte ich so eine Begebenheit noch nicht, somit ist es dann gar nicht so einfach, all diese Dinge nachvollziehen zu können, aber diese Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

  4. Hey 🙂
    also das Buch habe ich leider noch nicht ganz durch, aber muss sagen, dass ich es bisher wirklich liebe. Ich kann dir in den Punkten, die du oben nennst, nur zustimmen. Mir hat das Buch allerdings von Anfang an gefallen. Starrs Gefühle werden so unheimlich gut beschrieben. Natürlich kann ich mir wahrscheinlich nicht mal annähernd vorstellen, wie die Situation in Amerika wirklich ist, aber ich wage mal die Behauptung, dass es ähnlich sein wird. Alleine, weil die Autorin wahrscheinlich aus solch einem Milieu kommt oder zumindest Kontakte darin hat.

    Das Gefühl mit dem Rezensionsexemplar kann ich übrigens nachvollziehen, denn auch das Buch war mein erstes Printrezensionsexemplar und das ist wirklich ein tolles Gefühl! Weiter so!

    1. Ui deines auch 🙂 Ich war total aus dem Häuschen, auch weil ich seit der Bestätigung total verzweifelt war, dass man mich vergessen hat, weil ich vergaß, dass es ein Hardcover ist und verzweifelt auf die eMail gewartet hatte 🙂 Umso größer war dann die Überraschung per Post.

  5. Das Buch steht schon länger auf meiner Leseliste. Gerade weil das Thema einem regelmäßig in den Nachrichten begegnet und immer wieder (leider) ganz aktuell ist. Ich werde mich am englischen Original versuchen und bin schon sehr gespannt. Normalerweise mache ich eher einen Bogen um Bücher, um die so ein Hype gemacht wird, aber hier will ich mal ne Ausnahme machen. Auch Deine Rezension bestätigt, dass es sich lohnt, das Buch zu lesen.

    LG Gabi

    1. Ja du hast recht, leider ist es gerade hoch oben auf der aktuellen Liste, meist halte ich mich doch weit genug davon entfernt, um es nur am Rande mitzubekommen, aber dieses Mal lese ich sogar auf Twitter die Kommentare mit und bilde mich.
      Und ja es lohnt sich auf jeden Fall 🙂

  6. Hallo 🙂
    Ich habe das Buch gestern beendet und war ebenso begeistert wie du! (dabei vermeide ich eigentlich Bücher, um die ein riesen Hype kreist)
    Ich glaube allerdings auch, dass es in Amerika wesentlich höhere Wellen geschlagen hat, weil es sehr ungeschönt die Wahrheit ausspricht, die dort tägliche Realität ist. Für mich waren diese Fälle bisher „nur“ Meldungen in den Nachrichten. Ich konnte mit diesen Ausbrüchen von Rivalität, Gewalt nie etwas anfangen.
    Ich sehe nun vieles anders. Es hat mich sehr nachdenklich zurück gelassen.

    Liebe Grüße
    Eva

    1. Ja, es ist einfach schwer, als nicht Betroffener und vor allem nur durch Meldungen aus den Nachrichten, ein vernünfiges Bild davon zu bekommen, das nicht voreingenommen ist. Müsste jetzt zählen wieviele Tage es her ist, dass ich das Buch beendet habe, aber es kommt trotzdem vor, dass ich abends im Bett darüber nachdenke.

  7. Hallo Cornelia,
    über den Titel dieses Buches bin ich jetzt auch schon häufiger gestolpert; schön, bei dir eine ausführliche Rezension dazu zu finden. Das Thema Rassismus ist meines Empfindens nach jetzt auch im Literaturbetrieb angekommen, ,,Gott hilf dem Kind“ ist ja derzeit auch in aller Munde. Ich habe bislang nur ältere Bücher zu dem Thema wie die von Harper Lee oder ,,Black Boy“ gelesen und würde gern mal eines von heute daneben stellen. Dieses hier behalte ich auf jeden Fall im Hinterkopf.
    Viele Grüße, Jana

    1. Hallo Jana,
      ich muss sagen von deinen genannten kenne ich keines, aber wahrscheinlich liegen diese auch Jahre oder Jahrzehnte zurück und kann mir auch vorstellen, dass da die „Toleranz“ noch viel schlimmer war als heutzutage. Aber „The Hate U Give“ ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen.

      Liebe Grüße Cornelia

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